02.03.2015, 18:18 Uhr

Fehlendes Kosten- und Geschichtsbewusstsein bei den Staatsforsten

Der Ortsverband der Berchtesgadener Grünen kritisierte auf seiner letzten Ortsversammlung im Kuckucksnest massiv den geplanten Forststrassenbau am Kehlstein. Ortsvorsitzender Jakob Palm konnte neben zahlreichen Mitgliedern zum brisanten Thema Wegenetz am Kehlstein u.a. auch die Kreisvorsitzende des BUND Naturschutz Rita Poser und den Wegereferenten des AV Sektion Berchtesgaden Wolfgang Feldbauer begrüßen.

In seltener Einmütigkeit war die Versammlung entsetzt über das geplante Vorgehen der Forstverwaltung. So sollen insgesamt rund 15 000 t Strassenaushub mit ca. 17 Mio. € Kosten wohl in Kelheim (einzige Anlage in Bayern) thermisch entsorgt werden. Dazu werde das bestehende Wegenetz entweder komplett zurückgebaut oder in doppelt so breite Forststrassen umgebaut. Ein kleiner Abschnitt wird als Wanderweg erhalten.

Die bereits durchgeführten Baumaßnahmen im sogenannten Dalsenwinkel lassen dabei nach Ansicht der Grünen Schlimmstes befürchten.

Die harvestertaugliche Strassenbreite, die mangelhafte Entwässerung und die fehlende Sensibilität einer landschaftsverträglichen Strasseneinbindung ist nach Meinung der Grünen leider inzwischen charakteristisch für den heimischen Forstrassenbau.

Dass für den millionenschweren Rückbau jetzt die öffentliche Hand bezahlen wird, ist angesichts der Ursachen des Umbaus für die Grünen ein schlechter Witz.

Zuerst zerstört der Forst mit seinen schweren Geräten die Wege und dann bittet er unter dem Deckmantel des Umweltschutzes den Steuerzahler zur Kasse.

Die wesentlich günstigere Versiegelung der Teerstrassen, war ganz offensichtlich für das Wasserschutzgebiet in der Scharitzkehl ausreichend, die Teerstrassen auf der Busstrecke zum Kehlstein blieben ebenso erhalten. Warum das gesamte übrige Straßen- und Wegenetz mit millionenschweren Aufwand teuer entsorgt werden soll, wäre nur durch das Interesse des Forstes an breiten maschinentauglichen Straßen zu erklären. Eine Studie über den besten Umgang mit alten Teerstrassen, die vom Bundesland Rheinland Pfalz in Auftrag gegeben wurde kam zu der Aussage, dass die sogenannte In-Situ Versiegelung gegenüber der thermischen Entsorgung eindeutige Vorteile aufweist. Warum Forst und Landratsamt zu einer gegenteiligen Aussage kämen sei für die Grünen unverständlich, so Palm.

Obwohl für die meisten Teilnehmer der Veranstaltung Zweifel bestanden, dass dieser Unfug noch zu verhindern wäre, kam die Versammlung zu der Überzeugung, dass die nächsten Wochen dazu genutzt werden sollten durch Information der Bevölkerung auf die Ungereimtheiten bei der angeblichen 'Entgiftung der Landschaft' aufmerksam zu machen. Zumal diese 'Entgiftung' mit einer maximalen Belastung der Umwelt durch Emissionen bei Ausbau, Zwischenlagerung, Transporten und thermischer Aufarbeitung verbunden ist. Die Grünen jedenfalls werden jede Form des friedlichen, demokratischen Widerstands gegen die komplette Zerstörung des vorhandenen historischen Wegenetzes im Kehlsteingebiet unterstützen. Historische, touristische, finanzielle und ökologische Gründe sprächen eindeutig gegen die Pläne des Forstes. Die Grünen wiesen daraufhin, dass jeder interessierte Bürger die Detailplanungen nach Voranmeldung im Landratsamt einsehen könne, Die Studie zur Ökoeffizienz der Entsorgung teerhaltiger Abfälle könne über den Bund Naturschutz oder über den Ortsverband der Grünen angefordert werden.

Von: Basti Werner
Kategorie: Berchtesgadener Tal, Kreisverband, Bernhard Zimmer, Energie, Infrastruktur, Bildung, Nachhaltigkeit, Transparenz, Bundestagswahl, Umwelt
 

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