18.03.2010, 17:42 Uhr

Olympiagegner warnen vor den Risiken – Ein Verein als Weltmacht

Bartl Wimmer nennt es Suchverhalten. „Wie besoffen springt der Landkreis immer wieder auf das Thema Olympia an.“ Für den Grünen-Kreisrat ist die erneute Bewerbung für 2018 gemeinsam mit München unverantwortlich, denn das Geld fehle jetzt schon an allen Ecken und Enden. Olympiagegner aus München, Garmisch und dem Berchtesgadener Land haben Anfang Januar die Plattform Nolymia gegründet.

Einer ihrer profiliertesten Mitstreiter ist Willi Rehberg, der alle drei Salzburger Bewerbungen kritisch begleitet hat. Dort beschäftigt sich inzwischen ein Untersuchungsausschuss mit den finanziellen Ungereimtheiten. „Olympische Spiele – Mythos und Wirklichkeit“ war der Titel einer gut besuchten Veranstaltung in Berchtesgaden.

Für die Spiele 2006 hatte Salzburg einen ersten, noch zögerlichen Anlauf genommen, für 2010 und 2014 waren es dann „richtige Bewerbungen“, erzählt Willi Rehberg. Immer war dabei die Bob- und Rodelbahn am Königssee als Partner im Boot. Rehberg war zunächst aktiv in Sachen Ökologie und Naturschutz. „Aber für diese Herrschaften ist Umweltschutz nur ein Schmäh“. Als Kaufmann und ehemaliger Geschäftsführer eines großen Konzerns hat er sich dann die wirtschaftliche Seite des Unternehmens Olympia vorgenommen, hat Unterlagen, Verträge und Bilanzen durchleuchtet. „Dieser Jacques Rogge ist der Präsident eines einfachen Vereins nach Schweizer Recht“, berichtet Rehberg, „wird aber weltweit empfangen wie ein Staatsgast“. Einziger Zweck dieses „Internationalen Olympischen Komitees“ (IOC) sei die Vermarktung der Spiele. Und das tue der Verein sehr erfolgreich. Dessen Bilanzen weisen für 2008 einen Umsatz von 2,4 Milliarden Dollar aus, das Bankguthaben beträgt 1,4 Milliarden Dollar. Top-Sponsoren wie McDonalds und Visa spülten laufend Geld in die Kasse.

Wenn es aber um die Finanzierung der Spiele gehe, oder um die Haftung, dann halte sich das IOC zurück. Im Gegenteil: „Knebelverträge fordern völlig einseitige Verpflichtungen und das Risiko bleibt allein bei den Veranstaltern“. 20 Vertrags-Anhänge präzisieren die detaillierten Forderungen des IOC an die Veranstalter, allein die Vorgaben für das Olympische Dorf umfassen 320 Seiten. „Wer so was unterschreibt“, meint Rehberg, „weiß nicht was er tut“. Pikant: für die Einhaltung der Verträge ist allein das internationale Sportgericht in Lausanne zuständig. Sein Sitz: das Haus des IOC.  

Rehberg ist überzeugt, dass für Griechenlands Finanzkrise auch die Spiele 2004 verantwortlich seien. 13 Milliarden Euro habe man dafür hingelegt. „In Turin ist es dreimal so teuer geworden wie geplant; Sotschi wird 24 Milliarden kosten“. Und möglichen Münchener Spielen werde es wohl nicht anders ergehen. Salzburg zahle die Bewerbungskosten heute noch über Kredite ab. „Mit Zahlen Realitäten schaffen“, nennt das Astrid Rössler. Die Grünen-Landtagsabgeordnete ist Leiterin des Salzburger Olympia-Untersuchungs-Ausschusses; ursprünglich sei sie keine Gegnerin gewesen, erklärt sie in Berchtesgaden. Mangelnde Transparenz, das Kostenrisiko und eine gewaltige Propaganda-Maschinerie hätten sie eines Besseren belehrt. „Die Salzburger Bewerbung war ein finanzielles Desaster; zweimal stand man am Rande der Insolvenz“. Der Untersuchungsausschuss beschäftigt sich nun mit zwei Rechnungskreisen, mit zwei Konten und einem dubiosen Förderverein. „Man hat in Salzburg den Spagat versucht; nach innen zu beschönigen und andererseits dem IOC Versprechungen gemacht“. Und habe trotz der mehrheitlichen Ablehnung durch ein Bürgerbegehren im Jahre 2005 die Bewerbung durchgezogen.

„Das Argument, mit Spielen den Tourismus zu beleben, ist schlichtweg falsch“, ist Bartl Wimmer überzeugt. Der Grünen-Kreisrat steht seit Anfang der 80-er Jahre an der Spitze der Olympiagegner im Landkreis. „Die Fernsehzeiten als Werbezeiten zu rechnen, ist eine Milchmädchenrechnung“. Der Landkreis Berchtesgadener Land stelle 240.000 Euro allein für die Bewerbung zur Verfügung, und das zu einer Zeit, wo das Geld überall fehle. „Die wirtschaftliche Situation ist derzeit schon schwierig“, betont Wimmer, „aber die Finanzkrise wird erst noch voll durchschlagen.“ Die Grünen im Kreis lehnen den Ausbau der Bobbahn für 30 Millionen Euro ab; der allerdings passiert für die Weltmeisterschaften 2011 und hat zunächst nichts mit Olympia zu tun. „Wir können nicht aussteigen, heißt es, sonst wären Fördermittel zurück zu zahlen“, erklärt Wimmer. „Nur: Jetzt legen wir wieder drauf und begeben uns in weitere Abhängigkeit.“ Noch etwas gibt er zu bedenken: „Es kann nicht Aufgabe der Kommunen sein, die Sportstätten international wettbewerbsfähig zu machen. Das müsste der Bund erledigen.“ 

Die Eingriffe in die Landschaft würden in Garmisch-Partenkirchen und in Oberammergau am gravierendsten sein, meint Wimmer. Dort müsse man mit dem Widerstand vorangehen. Ein mögliches Bürgerbegehren dort werde man selbstverständlich voll unterstützen. Willi Rehberg hatte bereits am Tag zuvor in Garmisch vor 200 Interessierten das Konstrukt IOC durchleuchtet. 

Vier gegen Olympia (von links): Dr. Bartl Wimmer, Organisator Paul Grafwalllner, Willi Rehberg und Astrid Rössler. Foto:Höfer

Kategorie: Berchtesgadener Tal, Kreisverband, Bernhard Zimmer, Energie, Infrastruktur, Bildung, Nachhaltigkeit, Transparenz, Bundestagswahl, Umwelt
 

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