25.10.2010, 10:09 Uhr

Grüner Oktober im Berchtesgadener Tal

Der Ortsvorstand, Mandatsträger und Mitglieder der Grünen trafen sich vergangene Woche zum politischen Herbstgespräch in der Gaststätte Rostalm. Nach der Begrüßung durch den Ortsvorsitzenden Michael Drummer, hielt dieser einen Nachruf auf den verstorbenen Sepp Daxenberger. „Mit Sepp Daxenberger haben einige Berchtesgadener einen langjährigen guten Freund, viele einen politischen Weggefährten und die bayerischen Grünen einen herausragenden Menschen und Politiker verloren.

Der Kampf gegen Atomkraft, gegen die Agrogentechnik, der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen – das waren seine wichtigsten politischen Ziele. Darum hat er sich auch den Grünen und nicht der CSU angeschlossen. Für uns bayrische und ganz besonders uns Grüne aus dem Berchtesgadener Talkessel war Sepp die Symbolfigur, die Klargemacht hat: wir Grünen lieben das Land und die Menschen und auch wer in den Traditionen verwurzelt ist, kann seine politische Heimat bei den Grünen haben. Mit Sepps Tod haben die Mitglieder des Ortsverbandes Berchtesgadener Tal einen Menschen verloren, der verlässlich, und immer für uns da war.“ Im Anschluss legte die Versammlung eine Gedenkminute zu Ehren von Sepp Daxenberger und seiner Frau ein.

Danach erinnerte Michael Drummer an einige Projekte, wie z.B. „das Thema Kommunale Verwaltungsgemeinschaft für das Berchtesgadener Tal, bei denen es den Grünen gelungen war, gemeinsam mit dem Sepp, den Stein ins Rollen gebracht zu haben“. Noch im Frühsommer engagierte sich Sepp für die Belange des Obersalzberg Instituts und der Dokumentationsstelle am Obersalzberg, berichtete Drummer über seine Zusammenarbeit mit Daxenberger. Auch wenn wir nicht mehr auf Sepp Daxenbergers Erfahrung zurück greifen können, so der Ortsvorstand, werde man die politischen Ziele der Grünen im Talkessel weiter realisieren. Der desolate Zustand einzelner Kommunen wird zu einem Zusammenschluss der Gemeinden führen, ob freiwillig oder zwangsverordnet, ist man sich bei den Grünen sicher. Schließlich werden sich immer mehr Mitbürger bewusst, dass ein sinnvolles miteinander bisher auch an den nicht vorhandenen politischen Größen gescheitert ist, meinte eine Dame aus der Runde. Das Kleinfürsten-Denken muss ein Ende haben und die Bürger dürfen nicht weiter gegeneinander aufgehetzt werden, ergänzte Drummer.

Michael Sturm findet es bedenklich, wenn im Frühjahr die Gemeinde Bischofswiesen alle Steuern, Abgaben und Eintrittsgelder erhöht und Eigentum verkaufen muss, weil die finanzielle Situation so schlecht ist, und nun, nur ein halbes Jahr später bestehe doch ernsthaft die Gefahr, sich an der Götschen Erweiterung finanziell zu beteiligen. Dafür habe er als Bürger kein Verständnis, sagte Sturm. Für Michael Widmann, Gemeinderat in Berchtesgaden und ehemaliges Bischofswieser Gemeinderatsmitglied ist die Diskussion um den Ausbau des Götschen und die Förderung des Schigebietes mit öffentlichen Mitteln bestes Beispiel für die fortlaufenden Schildbürgerstreiche in Bischofswiesen. Die Grünen haben bereits damals, vor dem Bau des Leistungszentrums, vor den unüberschaubaren und ständig neuen Erweiterungen und Kosten am Götschen gewarnt. In der Zwischenzeit habe man festgestellt, dass man entweder zu blauäugig oder zu fahrlässig geplant habe, so Widmann, jetzt bekomme man die Quittung. „Alleine der damalige Ausbau und die Ausstattung des Sesselliftes lassen eine Verzweiflungstat vermuten. Hier werden die Interessen weniger Einzelner auf Kosten aller Steuerzahler subventioniert“, ist sich Michael Drummer sicher.

Er plädiere für ein ausgeprägtes Profil der Region in Richtung in Richtung „Green-IT“ (umweltfreundliche Informationstechnologie), das schaffe qualifizierte Arbeitsplätze für junge Menschen. Außerdem sollte der Bereich Naturtourismus weiter ausgebaut werden. „Wir haben in unserer Region viele fleißige und rechtschaffene Bauern, die sich für den Erhalt der Kulturlandschaft einsetzen, zahlreiche qualifizierte Gastgeber, kreative Direktvermarkter und wir leben in einer wunderbaren Landschaft, daraus kann man mehr machen, als eine schlechte Kopie einer österreichischen Schiarena", meinte Drummer. Da wolle man Olympia Destination werden und ist nicht einmal in der Lage an Winterwochenenden die Wanderwege ordentlich zu pflegen, stattdessen werden diese wieder am Montagmorgen gestreut. Bei den Verantwortlichen fehle es scheinbar an einem grundsätzlichen Verständnis, was sich Gäste und Bürger wünschen“, echauffierte er sich.

In Sachen Olympiabewerbung warf er den Befürwortern im Kreistag einen rechtsstaatlichen Offenbarungseid vor. Hier führe man die Politik der CSU auf dem Niveau der Bayern LB fort und riskiere mehr, als man davon Nutzen haben könne. Wenn die Olympiade schon so ein tolles Geschäft für eine Region sei, warum gibt es dann immer weniger Bewerber für einen Austragungsort, stellte der geübte Olympiagegner, Dr. Bartl Wimmer, die Frage. Ihn lasse die Vorstellung der Bauträger Spekulationen in Schönau und die Auswirkungen einer eventuellen Olympiade am Königssee schon heute erschaudern. Die jüngsten Projekte in der Gemeinde Schönau haben gezeigt, dass man keine Gnade für Mensch und Natur kenne.

Für den Ortsvorstand verbergen sich in dem Heizkraftwerk einige Risiken und Schattenseiten. Grundsätzlich begrüße man den Vorstoß in Richtung erneuerbare Energien, kritisiere jedoch massiv den Standort und die daraus resultierenden Energieverluste. Hier wird unter dem Deckmantel regenerativer Energien ein Geschäftsmodel betrieben, das so nicht den Vorstellungen der Grünen entspricht. Auch ist mit dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Heizungsbranche zu rechnen. Die Grünen im Ortsverband schließen sich mehrheitlich der Meinung des gebürtigen Ramsauers Prof. Hartmut Graßl an, der appelliert verstärkt die Sonnenenergie zu nutzen. In diesem Zusammenhang wies Michael Sturm darauf hin, dass es immer wieder Klagen über die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Kommunen gebe, wenn es um die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Dächern gehe. Hier habe man noch erhebliches Potential, das man auch Nutzen sollte.

Zum Schluss der Veranstaltung dankte der Ortsvorstand den aktiven Mitbürgern, die sich an der Anti-Atom-Demo in München beteiligt haben, sie haben dazu beigetragen ein Zeichen zu setzen, dass sich die Bürger nicht alles gefallen lassen, im Großen wie im Kleinen. Dabei verwies Drummer auf die Geschehnisse im Bürgerheim Berchtesgaden, die zu großer Anteilnahme führten und unterstrich, dass es weiterhin Ziel der Grünen im Berchtesgadener Tal sein wird, die Würde des Menschen, ob Alt oder Jung, in den Vordergrund zu stellen und sich für Bedürftige einzusetzen. Er bedankte sich bei den Anwesenden für ihr politisches Engagement und verwies auf das nächste Treffen am siebten November in der Rostalm.

Kategorie: Berchtesgadener Tal
 

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