15.04.2011, 11:06 Uhr

Dr. Bernhard Zimmer ist neuer Kreisvorsitzender der Grünen

Franz Eder künftig Beisitzer – Kassier Hans Weiß hört auf – Energie als Zukunftsfrage Hans Weiß denkt strategisch und vorausschauend: „Wir könnten jederzeit einen Bundestagswahlkampf bestreiten, falls das heuer noch nötig werden sollte“. Der Grünen-Kreiskassier verabschiedete sich nach elf Jahren von diesem Posten. Ins zweite Glied trat nach neun Jahren auch Vorsitzender Franz Eder zurück. Zum neuen Kreisvorsitzenden wählte die Versammlung den 49-jährigen Fachhochschul-Professor Dr. Bernhard Zimmer.

Mit seinem Rückblick hielt sich Franz Eder nicht lange auf.Stichwortartig beleuchtete er die Themen der letzten Jahre: Olympia und Bobbahn, Surgruppe und Güterterminal, Schnelles Internet,  Autobahnausbau und Wasserkraft. „Das Milliardengrab Bayern LB hat uns ebenso beschäftigt wie der Volksentscheid zum Nichtraucherschutz“, erinnerte er, „und natürlich immer wieder Energie.“ Diese Themen würden bleiben, neue hinzukommen. Eine Informationsfreiheitssatzung (wir berichteten) im  Kreis und in den Kommunen ist Eder ein großes Anliegen. „Wir kämpfen um mehr Öffentlichkeit“, betont er dezidiert.

„Auch der schönste Posten ist nicht für die Ewigkeit“, sinniert der scheidende Kreisvorsitzende. Neun Jahre lang betreute er zudem auch die Geschäftsstelle in seinem Laufener Haus. „Es war eine intensive Zeit, aber auch bereichernd“, so sein Resümee.

Fünfstellig sei das Kontoguthaben des Kreisverbandes und vierstellig die Rücklagen beim Landesverband, informierte Kassier Hans Weiß, der 2010 vier neue Mitglieder aufnehmen konnte. Die Kassenprüferin Eva Aschauer bestätigte ihm nicht nur eine sorgfältige Kassenführung, sondern auch den prüfenden Blick auf die Ortsverbände. „Es tut mir sehr leid, dass Hans aufhört, aber ich verstehe ihn. Elf Jahre ist eine Wahnsinnsleistung.“

Franz Eder attestierte ihm ein „planerisches“ Vorgehen, habe er doch Mittel zur Seite gelegt, um gerüstete zu sein – etwa für Wahlen. Die Entlastung erfolgte einstimmig und der Applaus war kräftig.

Schriftlich und geheim musste abgestimmt werden, selbst wenn nur ein Kandidat zur Wahl stand. Und das war bei allen Posten der Fall. Die Ergebnisse waren durchwegs einstimmig, allenfalls die Enthaltung des Kandidaten selbst reduzierte die Ja-Stimmen. Zum neuen Kreisvorsitzenden wählte die Versammlung Dr. Bernhard Zimmer), seine Stellvertreterin und wie bisher Schriftführerin ist Marie-Luise Thierauf. Pressesprecher bleibt Edwin Hertlein; für das Amt des Kassiers stellte sich Christiane Pšenižka zur Verfügung. Zu Beisitzern gewählt wurden Franz Eder und Michael Drummer.

Eher durch Zufall sei er zur Politik gekommen, schilderte Bernhard Zimmer seinen Einstieg. Er hatte sich geärgert über eine Entscheidung in seiner Heimatgemeinde Piding und bei Franz Eder in dieser Sache nachgefragt. Der habe ihm erklärt: „Wir freuen uns über engagierte Bürger.“ - „Diese Methode wirkt“, meinte Zimmer schmunzelnd, denn seither ist er für die Grünen aktiv, und inzwischen 3. Bürgermeister in Piding.

Für Franz Eder hatte er ein dünnes, aber viel gelobtes Buch mitgebracht. „Der Mann mit den Bäumen“ von Jean Giono. Der „Jung-Imker“ Hans Weiß erhielt eine Schüssel aus heimischem Holz. Und etliche gentechnikfreie Maispflanzen, von denen Zimmer insgesamt 400 Stück gezogen hat, und sich wünscht, dass sie in den Gärten des Landkreises groß werden, und allein durch ihre Anwesenheit Abstandsflächen für einen eventuell vorgesehenen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen definieren.

„Ich staune, wie frech die anderen sind“, erklärte Zimmer, „plötzlich war man nie Atomfetischist“. Franz Eder machte sich über das Bestreben der CSU lustig, ihre Homepage auf den gerade aktuellen Stand zu bringen. „Ihre Sprüche von früher; sie kommen mit dem Löschen gar nicht mehr nach.“

In Sachen Energie hätten die Grünen die Themen-Führerschaft, ist Zimmer überzeugt. Wolfgang Fieweger freilich warnte: „Man wird uns überschwemmen mit der Diskussion Wasser- und Windkraft. Wir können nicht gegen alles sein, das würde in der Bevölkerung nicht verstanden.“ Es habe sich an der Situation überhaupt nichts verändert, meinte dagegen Winnie Köpnick. „Es ist nach wie vor jeder Einzelfall abzuwägen. Fukushima darf kein Totschlagargument werden.“

Norbert Höhn verwies auf die Probleme mit der Verwendung von Pflanzen als Energielieferant und einer drohenden Holzverknappung bei immer mehr Hackschnitzel-Heizungen. „Wir müssen schon manches neu überdenken“ forderte er. Edwin Hertlein erinnerte an den Windatlas Deutschlands: „Das gäbe bei uns in der Region schon was her.“ Man werde über alle realistische Alternativen diskutieren, kündigte Bernhard Zimmer an. Er selbst möchte eine Zwei-Kilowatt-Anlage in Piding platzieren, die innerhalb der festgesetzten Baugrenzen verfahrensfrei wäre.

Am Ende der Versammlung blickte der neue Kreisvorsitzende auf die aktuellen Umfragewerte seiner Partei und das möglicherweise fehlende Personal bei den anstehenden Wahlen. „28 Prozent für die Grünen beunruhigt mich nicht“, erklärte er, „die Sache ist ganz einfach: jedes Mitglied wirbt ein Mitglied“. Heuer ist im Kreis erst eines neu hinzu gekommen. Es ist also noch was zu tun.

Von: Höfer

Kreisvorstand: Alte und neue Gesichter im Grünen-Kreisvorstand (von links): Franz Eder, Christiane Pšenižka, Edwin Hertlein, Bernhard Zimmer, Marie-Luise Thierauf und Michael Drummer. Fotos: Hannes Höfer

Kategorie: Berchtesgadener Tal, Kreisverband, Bernhard Zimmer, Energie, Infrastruktur, Bildung, Nachhaltigkeit, Transparenz, Bundestagswahl, Umwelt
 

Leserkommentare

Keine Einträge

Kommentar verfassen

Ins Gästebuch eintragen
CAPTCHA Bild zum Spamschutz